Verstehen, was ist
Hannah Arendt (1904-1975) zum 50. Todestag

7. Dezember 2025
Maxim Gorki Theater

Kooperationspartner:
Internationale Hannah Arendt Gesellschaft e.V. (IHAG), Bard College Berlin,
Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, RaumImHof e.V.

1. Über die Internationale Hannah Arendt Gesellschaft e.V.

Am 19. Juli 2024 hat sich die Internationale Hannah Arendt Gesellschaft e.V. (IHAG) gegründet. Ihre Mitglieder kommen aus verschiedenen Ländern und allen Bereichen von Kultur und Wissenschaft. Uns verbindet, dass wir die neue Welt nach der Zeitenwende nicht nur erklären, sondern in ihrer krassen Widersprüchlichkeit verstehen wollen. Scheinbar bereiten die politischen Machteliten eines großen Teils der Welt eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert mit seinen imperialen und nationalstaatlichen Kriegen vor. Ist eine neue Ära der machtpolitischen Erzwingung angebrochen? Russland und China führen reale und hybride Kriege. Amerika bereitet sich auf große Konflikte mit diesen beiden Supermächten vor. In der westlichen Welt erodieren traditionsreiche Demokratien. Populistische Bewegungen attackieren Judikative und Legislative. Die auf dem Gelöbnis zur Freiheit beruhende politische Ordnung wird von einer großen Minderheit der westlichen Bevölkerungen in Frage gestellt.

Das wissenschaftlich fundierte politische Denken steht dieser rasanten Entwicklung eher ratlos gegenüber. Aktuelle Erklärungsversuche lassen erkennen, dass die allererste Aufgabe jetzt darin besteht, das Neue herauszuarbeiten. Doch wie soll das gehen, wenn die politische Auseinandersetzung in den Bahnen einer dichotomischen Freund-Feind-Kultur verläuft?

In Hannah Arendts Denken sind Erzählung und Analyse, Philosophie und politisches Denken, Polemik und kritische Reflexion eine einzigartige Verbindung eingegangen. An deren Beginn steht eine Maxime, die zum Leitfaden wurde: „Verstehen, was ist“. Für uns heute bedeutet dies: Verstehen, welche neuen Strukturen und Handlungsmöglichkeiten im Auseinanderfallen der alten Welt sichtbar werden, begreifen, wie die gigantischen Flüchtlings- und Migrationswellen mit ihren Tausenden von Opfern die demokratische Welt verändern; wissen wollen, wie Kriege und Bürgerkriege Gesellschaften prägen; erfahren, warum Bürgerinnen und Bürger sich nach einem autoritären Staat sehnen, was politische Teilhabe bedeutet, was ein menschenwürdiges Leben ist…

Die Internationale Hannah Arendt Gesellschaft e.V greift Arendts Faden auf und führt ihn weiter. Vor über einem Jahrhundert hat der amerikanische Rechtsgelehrte O. W. Holmes in einem politischen Rechtsstreit über den Umgang mit abweichenden Meinungen formuliert, dass politisches „Denken eine gemeinschaftliche Angelegenheit“ sei. Wir verstehen darunter eine öffentliche Streitkultur, in dem wir begründete Meinungen und Urteile austauschen. Mit Seminaren und Workshops, mit Lesungen und Inszenierungen möchten wir die unterschiedlichen Perspektiven auf das aktuelle Weltgeschehen miteinander verbinden.

2. Auftaktveranstaltung „Verstehen, was ist“

Am 7. Dezember 2025 lädt die Internationale Hannah Arendt Gesellschaft e.V. gemeinsam mit dem Bard College und der Heinrich Böll Stiftung (Landesverband Berlin) anlässlich des 50. Todestages der Namensgeberin in Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater zu einen Tag für Hannah Arendt, an dem brennende Themen der politischen Auseinandersetzung vorgestellt und vor dem Hintergrund von Arendts Denken analysiert werden. Die Panels werden von Personen des öffentlichen Lebens, des politischen Denkens und der akademischen Welt besetzt.

3. Ablauf

12:00 – 12:15 Uhr
Begrüßung
Maxim Gorki Theater, Bard College Berlin, Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, Internationale Hannah Arendt Gesellschaft

12:15 – 13:20 Uhr
Die Zerstörung der Freiheit und die Fähigkeit zum Neubeginn – ein Gespräch
Roger Berkowitz (Professor of Political Studies and Human Rights; Academic Director, Hannah Arendt Center for Politics and the Humanities, Bard College)
Antonia Grunenberg (Politische Philosophin; Autorin von Das Versprechen der Demokratie; Vorstand, Internationale Hannah Arendt Gesellschaft)

13:20 – 13:50 Uhr
Pause

13:50 – 14:55 Uhr
Digitalisierte Demokratie – geht das überhaupt?
Vortrag: Martin Andree (Außerplanmäßiger Professor, Digitale Medien, Universität Köln; Autor von Krieg der Medien)
Discussant: Peter Schmitt (Autor von Postdigital-Medienkritik im 21. Jahrhundert)
Moderation: Berit Ebert (Politikwissenschaftlerin, Bard College Berlin; Vorstand, Internationale Hannah Arendt Gesellschaft)

14:55 – 15:25 Uhr
Pause

15:25 – 16:30 Uhr
Ziviler Ungehorsam in stürmischen Zeiten
Ilko-Sascha Kowalczuk (Autor von Endspiel: Die Revolution von 1989 in der DDR)
Jette Nietzard (Bündnis 90/Die Grünen)
Gilda Sahebi (Journalistin, Ärztin, Autorin)

16:30 – 17:00 Uhr
Empfang und Ausklang

Eine Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, dem Bard College Berlin und dem RaumImHof e.V.